Für Unterrichtsthemen mit einer offenen Leitfrage eignet sich das Sokratische Gespräch besonders gut, etwa bei Fragen nach Gerechtigkeit, Freiheit, Verantwortung oder einem guten Zusammenleben. Entscheidend ist, dass mehrere begründbare Sichtweisen möglich sind und die Klasse Begriffe, Annahmen und Argumente gemeinsam prüfen kann. Reine Faktenabfragen eignen sich weniger.
Ein gutes Gespräch braucht mehr als eine spannende Frage. Die Lernenden hören aufmerksam zu, begründen ihre Gedanken und nehmen andere Positionen ernst. Eine klare Gesprächsstruktur hilft der Lehrperson, den Austausch zu begleiten, ohne eine eigene Antwort vorzugeben.
Im Artikel erfahren Sie, welche Unterrichtsthemen sich eignen, worin sich das Sokratische Gespräch und die philosophische Dialogmethode unterscheiden und wie eine Leitfrage das Gespräch trägt. Außerdem lesen Sie, wie die Methode Beteiligung, respektvollen Austausch und kritisches Denken unterstützen kann.
Wichtigste Erkenntnisse
- Wählen Sie Fragen, bei denen verschiedene begründbare Sichtweisen möglich sind, statt bloß Fakten abzufragen.
- Eine klare Gesprächsstruktur hilft, mehr Lernende einzubeziehen und unterschiedliche Meinungen respektvoll zu behandeln.
- Mit gezielten Nachfragen lassen sich Annahmen, Widersprüche und offene Wissensfragen gemeinsam untersuchen.
- Unterscheiden Sie die philosophische Gesprächsmethode von ihrer Anwendung in der kognitiven Verhaltenstherapie.
- Ein anschauliches Beispiel und eine sorgfältig gewählte Leitfrage geben dem Gespräch einen verständlichen Ausgangspunkt.
Für welche (Unterrichts-)Themen eignet sich das Sokratische Gespräch?
Im Unterricht eignet sich ein Sokratischer Dialog für Leitfragen, auf die es mehrere begründbare Antworten gibt. Die Lehrperson beginnt mit einem konkreten Beispiel und fragt nach Begriffen, Gründen und Gegenbeispielen. So entwickeln Lernende eigene Gedanken, statt eine fertige Antwort zu übernehmen.
Passende Themen finden sich in Ethik, Literatur und Gesellschaftskunde. In Ethik kann die Klasse untersuchen, was Verantwortung bedeutet. Im Deutschunterricht lässt sich fragen, ob eine Romanfigur aus Mut oder Eigennutz handelt. Auch die Frage „Was macht eine Entscheidung gerecht?“ führt zu unterschiedlichen Ansichten, die sich begründen und vergleichen lassen. Eine reine Wissensabfrage, etwa nach einem Fachbegriff, verfolgt ein anderes Lernziel.
Beispiele für sokratische Fragen öffnen mehrere Schritte des Denkens:
- Begriff klären: „Was bedeutet Verantwortung in diesem Fall?“
- Grund erfragen: „Woran erkennst du, dass die Figur mutig handelt?“
- Folgen bedenken: „Was könnte geschehen, wenn alle so entscheiden?“
- Gegenbeispiel suchen: „Gilt deine Erklärung auch, wenn sich die Rollen ändern?“
- Position vergleichen: „Welchen Grund könnte jemand für die andere Sicht nennen?“
Der fragend-entwickelnde Unterricht nutzt aufeinander aufbauende Fragen, um ein bestimmtes Lernziel zu erreichen. Bei einem Naturphänomen führt die Lehrperson zum Beispiel von einer Beobachtung zu einer möglichen Erklärung. Ein Sokratischer Dialog hat dagegen keinen vorgegebenen Lösungsweg. Die Fragen helfen, Voraussetzungen zu prüfen und neue Einsichten zu entwickeln, auch wenn die Gruppe keine abschließende Antwort findet.
Die Fragetechnik des naiven Fragens setzt bei echtem Interesse an. Die Lehrperson bittet Lernende, einen Gedanken genauer zu erklären: „Was meinst du mit gerecht?“ oder „Wie passt diese Aussage zu deinem Beispiel?“ So werden Annahmen sichtbar, ohne die Antwortenden bloßzustellen. Entscheidend ist, dass die Fragen weder als Falle dienen noch heimlich zu einer gewünschten Lösung lenken.
Verschiedene Frageformen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Definitionsfragen klären Begriffe, Begründungsfragen machen Argumente verständlich und Prüfungsfragen suchen nach Gegenbeispielen. Eine Frage nach einer konkreten Situation kann den Übergang zu einer allgemeinen Regel erleichtern. Auch in der kognitiven Verhaltenstherapie wird der Sokratische Dialog genutzt, um Denkmuster und Widersprüche zu untersuchen. Dieser therapeutische Zweck unterscheidet sich vom Unterrichtsgespräch.
Ein Risiko entsteht, wenn Lernende wiederholt vor der Klasse zu persönlichen Erfahrungen befragt werden. Beginnen Sie deshalb mit Beispielen aus Geschichten oder fiktiven Alltagssituationen. Bei Lernenden mit Aufmerksamkeitsstörungen können Pausen und Themenwechsel zur Differenzierung beitragen. So bleibt die Untersuchung zugänglich, ohne jemanden zu einer persönlichen Offenlegung zu drängen.
Aktive Beteiligung und respektvoller Umgang
Eine Leitfrage eröffnet das Gespräch, doch klare Gesprächsregeln fördern die Beteiligung. Bei der Frage „Was bedeutet ein gerechtes Urteil?“ bringen Lernende ihre Auffassungen, Meinungen und Argumente im Plenum ein. Sie reagieren aufeinander, statt nacheinander einzelne Antworten abzugeben. So wird die gemeinsame Suche nach Erkenntnis zu einem sichtbaren Teil des Lernens.
Eine zentrale Regel fördert das Zuhören: Wer die eigene Meinung äußern möchte, fasst zuerst zusammen, was die vorherige Person gemeint hat. Die Lehrperson kann nachfragen: „Habe ich dich richtig verstanden, dass …?“ Erst wenn das Gegenüber zustimmt oder etwas ergänzt, folgt die eigene Position. So bleibt klar, dass eine Aussage zu verstehen nicht bedeutet, ihr zuzustimmen.
Einfache Gesprächsvereinbarungen fördern einen respektvollen Austausch. Die Klasse kann sie vor einer philosophischen Frage gemeinsam festlegen:
- Auf den Gedanken eingehen: „Ich möchte an deinen Grund anknüpfen.“
- Widerspruch begründen: „Ich sehe es anders, weil …“
- Nachfragen statt abwerten: „Kannst du ein Beispiel nennen?“
- Unsicherheit zulassen: „Ich bin noch nicht sicher, ob das immer gilt.“
Ein Sprechstein kann die Redebeiträge ordnen. Wer ihn hält, spricht; die anderen hören zu und sammeln ihre Gedanken. Das hilft besonders, wenn mehrere Lernende gleichzeitig reagieren möchten. Die Lehrperson achtet darauf, dass der Stein nicht zum Druckmittel wird. Niemand muss sofort sprechen oder eine persönliche Erfahrung offenlegen.
Auch Bildkarten mit Daumen hoch oder Daumen runter ermöglichen einen einfachen Einstieg. Zur These „Regeln sind immer gerecht“ zeigen Lernende zunächst Zustimmung oder Ablehnung. Danach erläutern Freiwillige ihre Wahl mit einem Grund oder Gegenbeispiel. Die Karten ersetzen keine Argumente, machen aber unterschiedliche Ausgangspunkte in der Gruppe sichtbar.
Damit nicht nur besonders schnelle Sprecherinnen und Sprecher das Gespräch prägen, kann die Lehrperson Denkzeit einräumen. Eine kurze Notiz zur Frage „Was spricht für die andere Position?“ bietet Lernenden einen vorbereiteten Einstieg. Wer nicht vor der ganzen Gruppe sprechen möchte, kann zunächst einen Gedanken notieren. Die Lehrperson greift Beiträge auf, ohne sie vorschnell als richtig oder falsch zu bewerten.
Der philosophische Austausch verlangt keine Einigkeit um jeden Preis. Die Gruppe sucht nach tragfähigen Gründen, nicht nach Zustimmung aus Erwartungsdruck. Eine Theorie kann Orientierung geben; konkrete Beispiele zeigen, ob sie im Alltag überzeugt. So üben Lernende Gesprächsfähigkeit, Perspektivwechsel und den respektvollen Umgang mit abweichenden Ansichten.
Eine mögliche Abfolge verbindet verschiedene Zugänge zu einem Gespräch: Zuerst steht die zentrale Leitfrage im Raum. Anschließend zeigen Lernende mit Bildkarten ihre Zustimmung oder Ablehnung. Die sichtbaren Unterschiede bieten Anlass, einander nach Gründen zu fragen und die Gedanken anderer genau aufzunehmen. Bevor jemand die eigene Auffassung ergänzt, fasst die Person zunächst zusammen, was sie aus dem vorherigen Beitrag verstanden hat. So bleibt die Diskussion miteinander verbunden, statt in einzelne, unverbundene Meinungen auseinanderzufallen. Bei Bedarf ordnet der Sprechstein die Beiträge, während die Leitfrage den gemeinsamen Bezugspunkt sichert.
Beteiligung zeigt sich nicht daran, dass alle dieselbe Position vertreten. Unterschiedliche Ansichten gehören zum Sokratischen Dialog und verdienen respektvolle Behandlung. Wer zunächst mit einer Karte reagiert, kann die eigene Haltung später in Worte fassen. Auch wer den Sprechstein nicht hält, bleibt durch aufmerksames Zuhören und die genaue Wiedergabe eines fremden Gedankens am Austausch beteiligt. So werden Gesprächsregeln nicht nur vorab vereinbart, sondern im Verlauf der Diskussion praktisch umgesetzt.
Aufdecken von Widersprüchen und Wissenslücken
Widersprüche zeigen, welche Begründung genauer geprüft werden muss. Die Gesprächsleitung stellt Aussagen gegenüber und lädt die Gruppe ein, ihren Zusammenhang zu untersuchen. Dabei geht es nicht darum, einen Fehler vorzuführen. Entscheidend ist, ob eine Erklärung auch dann trägt, wenn neue Einzelheiten hinzukommen.
Im Sokratischen Elenchos werden Antworten auf eine Definitionsfrage mit weiteren Aussagen verglichen. Die Gesprächsleitung fragt zum Beispiel: „Was heißt zuverlässig?“ Ein Lernender antwortet: „Man hält immer jedes Versprechen.“ Dann folgt die Prüfung: „Gilt das auch, wenn jemand ein Versprechen wegen eines Notfalls nicht halten kann?“ Die Gruppe kann nun überlegen, ob „immer“ zu streng ist oder ob die Ausnahme eine Änderung der Definition nötig macht.
Ein Widerspruch wird oft sichtbar, wenn eine allgemeine Regel auf einen konkreten Fall trifft. Jemand behauptet: „Wer eine Aufgabe nicht erledigt, handelt unverantwortlich.“ Dann kommt zur Sprache, dass eine Person wegen eines unvorhergesehenen Hindernisses ausfiel. Die Lehrperson kann beide Aussagen gegenüberstellen und fragen: „Welche Umstände verändern die Bewertung?“ So wird aus einem vorschnellen Urteil eine genauere Unterscheidung zwischen Absicht und Ergebnis.
Wissenslücken zeigen sich, wenn eine Behauptung ohne überprüfbares Kriterium bleibt. Sagt ein Lernender, eine Lösung sei „die beste“, kann die Gruppe zunächst klären, was „beste“ in diesem Fall bedeutet. Geht es um Fairness, Aufwand oder Folgen für andere? Fehlt ein Beispiel, wird deutlich, welche Information oder Überlegung noch gebraucht wird.
Diese Fragen helfen, Aussagen systematisch zu untersuchen:
- Begriff bestimmen: „Was meinst du hier genau mit Verantwortung?“
- Beleg suchen: „Welche Beobachtung stützt deine Aussage?“
- Aussagen vergleichen: „Können beide gleichzeitig gelten?“
- Grenzen prüfen: „Welcher Fall würde eine Ausnahme bilden?“
Im Unterricht kann die Lehrperson wichtige Aussagen in einer einfachen Übersicht festhalten: Behauptung, Begründung und offener Prüfpunkt. Bei einer Frage zu Klassenregeln wird so sichtbar, ob ein Vorschlag für alle Situationen gedacht ist oder nur für ein bestimmtes Beispiel. Die Übersicht hilft der Gruppe, verschiedene Fragen nicht miteinander zu vermischen.
Ein Gegenbeispiel muss nicht sofort zu einer neuen Regel führen. Die Lernenden können zunächst festhalten, was es an der ursprünglichen Aussage verändert. Die Behauptung „Gleiche Regeln sind immer gerecht“ lässt sich etwa anhand von Fällen prüfen, in denen Bedürfnisse unterschiedlich sind. Anschließend kann die Klasse präzisieren, unter welchen Voraussetzungen ihre Aussage gilt.
Auch ein offener Punkt ist ein Ergebnis, wenn die Gruppe benennen kann, welche Frage unbeantwortet bleibt und warum. Zum Abschluss kann die Lehrperson fragen: „Welche Aussage würdet ihr jetzt anders formulieren?“ So wird die Veränderung im Denken greifbar, ohne eine schnelle Einigung zu verlangen.

Sokratischer Dialog und Sokratisches Gespräch
Die Begriffe überschneiden sich, bezeichnen aber nicht immer denselben Rahmen. Im Unterricht meint das Sokratische Gespräch meist eine gemeinsame Lernform; der philosophische Dialog verweist stärker auf die Tradition des Fragens und Prüfens.
Abgrenzung von der Diskussion
Eine Diskussion stellt unterschiedliche Ansichten gegenüber, während ein Sokratisches Gespräch Begriffe und Voraussetzungen genauer untersucht. Diese Unterscheidung hilft bei der Wahl des Gesprächsziels: Möchten Sie Argumente sammeln oder herausfinden, was ein Begriff bedeutet? Bei der Frage „Was ist Mut?“ reicht eine Liste mutiger Figuren nicht aus. Die Gruppe prüft auch, ob die Beispiele eine gemeinsame Erklärung stützen.
Ein Ergebnis muss nicht unbedingt Einigkeit bedeuten. Teilnehmende können verschiedene Antworten begründet beibehalten oder feststellen, dass ein Begriff mehrere Aspekte umfasst. So entsteht eine nachvollziehbare Erkenntnis, auch wenn die Ausgangsfrage offenbleibt.
Sokrates’ Einfluss auf den Dialog
Sokrates war ein griechischer Philosoph, der von 469 bis 399 v. Chr. in Athen lebte. Seine Gesprächsweise ist mit gezieltem Fragen und dem Prüfen von Aussagen verbunden. Für heutige Lernrunden bleibt daran besonders wichtig, dass eine Frage nicht nur eine Antwort abruft, sondern zum genaueren Nachdenken über deren Bedeutung anregt.
Sokrates hinterließ keine schriftlichen Werke. Seine Schüler Platon und Xenophon überlieferten seine Gedanken; seine Verteidigungsrede als Angeklagter hielt er 399 v. Chr. Platons Darstellung der Mäeutik zeigt Sokrates als Begleiter, der anderen hilft, Einsichten selbst zu entdecken. Die Stanford University bezeichnet Dialoge aus Platons sokratischer Periode als „elenktische Dialoge“, weil Sokrates darin bevorzugt durch Fragen vorgeht.
Der philosophische Ursprung erklärt, warum eine Untersuchung nicht immer mit einer eindeutigen Lösung endet. Die Klasse kann etwa fragen: „Was bedeutet Wissen?“ und verschiedene Antworten anhand von Beispielen prüfen. Dabei wird sichtbar, welche Bedeutung die Lernenden einem Begriff geben und wo ihre Vorstellungen auseinandergehen.
Im modernen Unterricht bezeichnet die Sokratische Methode häufig das interaktive Erschließen von Lernstoff durch Fragen und Antworten. Das kann sich vom philosophischen Gespräch unterscheiden: Eine Unterrichtseinheit kann auf das Verständnis eines bestimmten Inhalts zielen, während eine philosophische Frage unterschiedliche Deutungen offenlässt. Die Bezeichnung allein sagt daher noch nicht, wie offen das Gespräch angelegt ist.
Auch der Gesprächsrahmen prägt die Praxis. Ein Austausch zu einem Unterrichtstext kann sich auf dessen zentrale Begriffe konzentrieren; ein philosophisches Gespräch kann dieselben Begriffe über den Text hinaus untersuchen. Wer diese Unterschiede kennt, kann die Methode passend zum Lernziel einsetzen und Erwartungen an mögliche Ergebnisse klären.
Wie funktioniert die sokratische Methode Schritt für Schritt?
Ein Gespräch gelingt leichter, wenn die Klasse mit einem greifbaren Fall beginnt. Die Lehrperson wählt eine Leitfrage, auf die unterschiedliche Antworten möglich sind, und führt die Gruppe anschließend vom Beispiel zu allgemeineren Überlegungen. So bleibt der Gedankengang für alle nachvollziehbar.
- Eine offene Leitfrage auswählen: Fragen Sie etwa: „Wann ist eine Entscheidung fair?“ Die Frage sollte keine einzelne Faktenantwort verlangen und zum Begründen einladen.
- Mit einem kleinen Beispiel beginnen: Beschreiben Sie eine Situation aus einer Geschichte oder dem Schulalltag. Zum Beispiel möchte eine Gruppe ein gemeinsames Spielzeug nutzen, aber zwei Kinder haben verschiedene Vorschläge.
- Erste Antworten sammeln: Lassen Sie Lernende ihre spontanen Gedanken formulieren. Die Lehrperson bewertet sie noch nicht, sondern notiert wichtige Begriffe wie „teilen“, „abwechseln“ oder „abstimmen“.
- Begriffe klären: Fragen Sie nach, was „fair“ in diesem konkreten Fall bedeutet. Eine Schülerin könnte gleiche Spielzeit vorschlagen; ein anderer Lernender könnte den Wunsch der Gruppe stärker gewichten.
- Gründe und Folgen untersuchen: Fragen Sie, warum ein Vorschlag gerecht sein soll und was daraus folgt. „Wäre es noch fair, wenn ein Kind das Spielzeug dringend braucht?“ macht die Reichweite der Begründung sichtbar.
- Gegenbeispiele einbeziehen: Prüfen Sie, ob die bisherige Erklärung auch bei einer veränderten Situation trägt. Wird eine Regel durch den neuen Fall unpassend, kann die Klasse sie genauer fassen.
- Ergebnisse ordnen und zurückblicken: Halten Sie an der Tafel fest, welche Gründe überzeugen und welche Fragen offenbleiben. Ein kurzes Metagespräch zeigt, an welcher Nachfrage sich die Sichtweise verändert hat.
Während des Gesprächs hält die Lehrperson den roten Faden im Blick. Taucht ein Nebenthema auf, kann sie es kurz notieren und anschließend zur Leitfrage zurückführen. Sie gibt ihre eigene Meinung nicht vor. Das schützt die gemeinsame Untersuchung davor, zur Suche nach einer vermeintlich erwarteten Antwort zu werden.
Für eine Frage zur Klassengemeinschaft kann die Tafel drei Spalten enthalten: Vorschlag, Begründung und offene Frage. So sehen Lernende, ob eine Aussage bereits begründet wurde oder noch ein Beispiel braucht. Die Lehrperson fragt gezielt weiter, statt jeden Beitrag mit einer neuen Frage zu übergehen.
Am Ende muss keine endgültige Lösung stehen. Die Klasse kann festhalten, welche Regel im Beispiel tragfähig erscheint und unter welchen Bedingungen sie verändert werden müsste. Auch eine offene Restfrage gehört zum Ergebnis, wenn die Lernenden ihre Gründe dafür benennen können.
Der Sokratische Dialog ist eine mehr als 2400 Jahre alte Methode. Sokrates hinterließ keine schriftlichen Werke; seine Schüler Platon und Xenophon überlieferten seine Gedanken schriftlich. Für die Klasse kann diese Herkunft als Anlass dienen, nicht nach einer fertigen Lehrmeinung zu suchen, sondern Aussagen und Begründungen sorgfältig auseinanderzuhalten.
Nach dem Gespräch lässt sich die Leitfrage erneut aufgreifen: Welche Annahme hat sich als zu eng erwiesen, und welcher Grund trägt auch bei einem anderen Beispiel? Die Lernenden können ihre erste Antwort überarbeiten oder bewusst offenlassen. Halten Sie nicht nur das Ergebnis fest, sondern auch den Weg dorthin: Welche Nachfrage machte eine Unterscheidung sichtbar, und welche Begründung blieb unklar? So zeigt sich, dass eine Meinungsänderung kein Scheitern bedeutet, sondern eine Reaktion auf sorgfältige Prüfung sein kann. Zum Abschluss kann die Lehrperson die Beiträge bündeln und die Gruppe bitten, eine offene Frage für ein späteres Gespräch festzuhalten.
Kigata
Kigata unterstützt Kitas und Schulen dabei, passende Ausstattung für den pädagogischen Alltag auszuwählen. Für Gesprächsrunden kann eine durchdachte Lernumgebung hilfreich sein: Tische und Stühle sollten den Austausch ermöglichen, während pädagogisches Spielzeug weitere gemeinsame Lernanlässe schafft. Welche Ausstattung passt, hängt davon ab, wie Sie die Räume nutzen und welche Aktivitäten dort stattfinden.
Wenn Sie neben der Gesprächsmethode auch die Ausstattung Ihrer Kita oder Schule planen, unterstützt Kigata Sie bei der Auswahl von Kita-Möbeln, Schulmöbeln und pädagogischem Spielzeug. So können Sie pädagogische Vorhaben und die praktische Nutzung der Räume gemeinsam betrachten.
Kontaktieren Sie Kigata, wenn Sie Ihre Ausstattung für den Lern- und Gesprächsalltag besprechen möchten.
Gestalten Sie den nächsten Lernimpuls
Ein guter Gesprächsraum entsteht nicht allein durch eine Leitfrage. Auch die Umgebung beeinflusst, ob Lernende einander gut sehen, Materialien gemeinsam nutzen und Gedanken sichtbar festhalten können. Überlegen Sie deshalb, welche Räume und welche Ausstattung zu Ihren pädagogischen Vorhaben passen.
Ein Sokratischer Dialog lässt sich durch eine Lernumgebung ergänzen, die Austausch und gemeinsames Erkunden ermöglicht. Kigata bietet Kita-Möbel, Spielplatzgeräte und pädagogisches Spielzeug für Bildungseinrichtungen. Welche Ausstattung sinnvoll ist, richtet sich nach Ihrem Alltag, den verfügbaren Räumen und den Aktivitäten, die Sie ermöglichen möchten.
Wenn Sie Ihre Ausstattung weiterdenken oder unterschiedliche Einsatzbereiche zusammen betrachten möchten, können Sie Ihre Anforderungen mit Kigata besprechen. So wird aus einer pädagogischen Idee ein nächster, konkreter Planungsschritt. Bleiben Sie neugierig und geben Sie Ihren Lernenden Raum, eigene Gedanken zu entfalten.
Häufige Fragen
Was ist ein Sokratischer Dialog?
Ein Sokratischer Dialog ist ein philosophisches Gespräch, in dem Fragen helfen, eigene Annahmen und Gründe zu untersuchen. Statt Wissen direkt vorzugeben, begleitet die Gesprächsleitung die Beteiligten dabei, eigene Einsichten zu entwickeln. Eine Leitfrage könnte lauten: „Ist eine Regel gerecht, wenn sie für alle gleich gilt, aber unterschiedliche Bedürfnisse ignoriert?“ Die Antworten werden geprüft, statt einfach als richtig oder falsch bewertet zu werden.
Welche Regeln gelten für einen sokratischen Dialog?
Wichtige Regeln sind: Aussagen begründen, einander ausreden lassen und Kritik auf Gedanken statt auf Personen richten. Die Gesprächsleitung achtet darauf, dass niemand zur Zustimmung gedrängt wird. Für ein Gespräch über eine Klassenregel können Sie vereinbaren, dass Einwände mit einem konkreten Grund verbunden werden. Wer gerade keine Antwort hat, darf zunächst zuhören und später wieder einsteigen.
Welche Fragen stellt man in einem sokratischen Dialog?
Stellen Sie Fragen, die Begriffe klären, Gründe sichtbar machen oder Folgen prüfen. Bei der Planung eines Klassenausflugs könnte die Gesprächsleitung fragen: „Was bedeutet hier eine faire Entscheidung?“, „Welche Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden?“ und „Würde dein Vorschlag auch gelten, wenn sich die Gruppe verändert?“ Solche Fragen öffnen den Gedankengang, ohne eine bestimmte Antwort vorzugeben oder Lernende auf eine Lösung festzulegen.
Welche Formen des sokratischen Dialogs gibt es?
Je nach Anwendungsfeld begegnen Ihnen philosophische Gespräche, sokratische Methoden im Unterricht und therapeutische Dialoge. Im Unterricht erschließt die Klasse Inhalte gemeinsam durch Fragen und Antworten. In der kognitiven Verhaltenstherapie prüft ein Therapeut mit seinem Patienten belastende Gedanken und Annahmen. Philosophische Gesprächsformen richten den Blick stärker auf Begriffe und grundlegende Fragen, etwa danach, was Wissen oder Verantwortung bedeutet.